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Zwischenstopp - Boostedt
„Boostedt als Synonym für den Neuanfang“



Unsere UmA (Unbegleiteten minderjährigen Ausländer) werden nach dem regulären Grenzübertritt in eine der vielen Erstaufnahmeeinrichtungen gebracht. In Boostedt angekommen und vom Deutschen Roten Kreuz aufgenommen, werden die Neuankömmlinge, sofern sie angeben minderjährig zu sein, an das Jugendamt (Segeberg), auf dem Kasernengelände, überführt.

Nach der Ankunft im Büro, das durch das Jugendamt und den privaten Träger der Kinder- und Jugendhilfe WiegmannHilfen/WieGe betrieben wird,  beginnt die die Versorgung. Das bedeutet, dass den überwiegend jungen Männern ein Zimmer zugewiesen wird, das sie sich mit 3 bis 7 anderen gleichgeschlechtlichen Menschen teilen. Außerdem bekommen die UmA neue Bekleidung und ein Hygiene Startset. Mit sofortiger Wirkung werden die UmA laut §42a SGB VIII vorläufig in Obhut genommen.

Innerhalb von 24 Stunden findet ein „Interview“ statt. Dieses Interview wird von 1-2 JugendamtsmitarbeiterInnen durchgeführt, bevor jeder Fall durch den Verwaltungsapparat des Kreises läuft. Es dient in erster Linie der Altersprüfung und der Ermittlung von vorhanden Fähigkeiten und Fertigkeiten. Sofern die intensiven Gespräche ergeben, dass tatsächlich von einer Minderjährigkeit auszugehen ist, werden die UmA vorerst vor Ort weiterhin betreut. Ebenso zeitnah findet die medizinische Erstuntersuchung statt, um Impfungen durchzuführen und gegebenenfalls Krankheiten früh zu erkennen und behandeln zu können.

Das Ziel ist es nun, die UmA schnellstmöglich in eines der diversen Jugendhilfe-Angebote einzugliedern. Beispiele wären die vollstationäre Jugendhilfe, ein ambulantes und intensives Betreuungssetting in eigenem Wohnraum und Pflegefamilien. Im Idealfall gibt es bereits Familie in Deutschland, teilweise Familie, die schon mehrere Jahrzehnte hier lebt, zu der die UmA gehen können.

Um die Übergangszeit sinnvoll zu gestalten, können die Jugendlichen auf diverse Angebote zurückgreifen. Deutschkurse, Gesprächsrunden, in denen es beispielsweise um die Vermittlung von westlichen Werten/Gesetzen/Regeln geht, sowie Freizeitangebote und das Jugendcafé werden genutzt und dankbar angenommen.

Irgendwann kommt dann der Tag. Der Tag, in den jeder einzelne sehr viele Hoffnungen legt. Eine Zukunft mit Bildung, mit einem Gefühl von Sicherheit, einer Familiengründung ohne Verfolgung. Unser hoffnungsvoller Eindruck: Nahezu alle hier gestrandeten jungen Menschen begegnen uns mit Respekt, Dankbarkeit und der Motivation sich an die hiergeltenden Gesetze und Werte zu halten. Trotz Fluchterfahrungen, die häufig von Gewalt, Haft und dem Verlust von geliebten Menschen begleitet wurden und vermutlich teilweise zu schwersten emotionalen Schäden führen, verlieren die jungen Menschen die Hoffnung nicht und sind dankbar für die Hilfe der deutschen Bevölkerung, dankbar für die boostedter Toleranz und Hilfe.

Simon Goos
Team UMA Boostedt
WiegmannHilfen/WieGe

Infos aus der Erstaufnahmeeinrichtung